Liebe Gemeindemitglieder!

Vom Feeling her ein gutes Gefühl…

(Gedanken als Fan und Christ zur Fußball-WM)

 

New York, 19. Juli 2026: Deutschland steht im Finale der Fußball-WM. Sechs Minuten Nachspielzeit – dann der Abpfiff.
Feiernde und weinende Gesichter gleichzeitig auf dem „heiligen Rasen“: die einen ein großer Haufen Jubel, die anderen am Boden zerstört. Spieler sitzen mit leeren Gesichtern auf dem Rasen und ziehen ihr Trikot über den Kopf. Ihre Welt scheint zusammengebrochen.

Und es beginnt die Jagd der Kommentatoren, die die Fragen stellen, die alle bewegen: Wie fühlt man sich so eine Minute nach dem Sieg? Wer hatte Schuld, dass ihr verloren habt? Wieso konnten die unzähligen guten Chancen nicht verwertet werden? Habt ihr wirklich alles gegeben und eure Seele auf dem Platz gelassen? Wie konnte es zu dem fatalen Patzer kommen? War der Schiedsrichter wie immer der schwächste Mann auf dem Platz oder hat der Fußballgott ein gutes Händchen gehabt?

Da überschlagen sich Gedanken und Emotionen und die ganze Welt fragt sich in allen Sprachen: „Woran hats jeläjen?“

Und plötzlich wache ich schweißüberströmt aus meinem WM-Final-Traum auf. Tatsächlich habe ich natürlich keine Ahnung, wer diesmal das Endspiel erreicht und welche Geschichten wir von dem allen hinterher erzählen können. Und gerade das macht ja die Spannung aus.

„Jetzt aber sollt ihr das alles ablegen: Zorn, Wut und Bosheit. Kein Wort soll über eure Lippen kommen, das andere verleumdet oder herabsetzt.“ Diese Worte stehen in unserem alten heiligen Buch, der Bibel, im Kolosserbrief. Und sie halten uns eine wichtige Erkenntnis vor Augen: Menschen machen Fehler! Sie sind Teil unseres Lebens.
Und das ist kein Grund, unsere Wut oder unseren Zorn auf Menschen auszukippen. Nächstenliebe hört nicht bei dem unvollkommenen Menschen auf – Nächstenliebe, diese großartige Idee unseres Glaubens, fängt dort erst an!
Wie gern würde ich diesen Satz in einen Balken meißeln, an dem jeder vorbei muss, der etwas ins Internet schreibt…

Ich schreibe hier zwar als großer Fußballfan über die WM, aber im Fußball spielt sich nun mal alles ab, was auch sonst das Leben gut oder kaputt macht. Deshalb wünschte ich mir, dass diese WM ein großes Fest der Nationen und dieses großartigen Sports wird.

Vielleicht kann sie dem Teil unserer Bevölkerung und der Politiker, der in Menschen anderer Länder und Hautfarbe zuerst eine Bedrohung sieht, nochmal zeigen, dass es möglich ist, miteinander eine Gemeinschaft zu sein; dass man nur eine Sportart, eine gemeinsame Spielidee oder einen Sinn braucht!

In der Kirche ist es immerhin genauso selbstverständlich! Jesus hat die unterschiedlichsten Menschen aus allen Himmelsrichtungen um sich versammelt – ohne Ansehen von Herkunft oder irgendwas.

Wenn Gott die Welt gemacht hat, dann alle Menschen und nicht nur die einen. Und wahrscheinlich sitzen wir als Fans abends auch während dieses Turniers wieder bei leckeren Kaltgetränken und begeistern uns für die schönste Nebensache der Welt… Bayern-, HSV-, Bremen- und Dortmundfans alle zusammen und man wundert sich… das geht ja auch!

Vielleicht werden wir übrigens auch in unserem Gemeindehaus zusammensitzen – das ist zum Zeitpunkt dieses Grußwortes noch nicht geklärt.
Wir werden dabei sicher Sieger und Verlierer erleben. Und sie werden uns wieder die Frage stellen: Können wir es noch oder haben wir es verlernt, uns gegenseitig zu stärken, wenn Fehler passieren? Wie sieht es in unserer Gesellschaft und in meinem Umfeld aus und wozu trage ich bei? Das wäre auch ein Training, das sich bei Sofasportlern lohnen könnte.

„Vorn hilft der liebe Gott“ heißt es in einem alten Fußballerspruch. Aber manche Dinge kann Gott eben nur anregen: den Ball zu verwandeln; die Chance zu nutzen, in anderen immer noch Menschen zu sehen oder zu einer sachlichen Betrachtungsweise vieler Dinge zurückzukehren. „Es gibt keinen Fußballgott“… hat Jürgen Klopp einmal gesagt, „…aber es gibt einen Gott, der alle Menschen liebt. Und weil er die Menschen liebt, liebt er eben auch Fußball…“ Das hört sich doch schon einmal ganz gut an…

Nicht erst seit Kloppo wissen wir auch, dass Sportler Christen sein können. Spieler beten vor dem Spiel, bedanken sich Richtung Himmel oder bekreuzigen sich. Alle großen Religionen finden sich auf den Fußballfeldern der Welt. Roberto Firminio, den wir noch aus der Bundesliga kennen, ist inzwischen Pastor. Stars wie der deutsche Chris Führich, der in der WM-Vorbereitung für Deutschland auf dem Platz stand, treten offen für ihren christlichen Glauben ein („Ich habe nur eines zu sagen: Danke, Herr Jesus Christus“ -Desire Doue, Spieler von Champions-League-Sieger PSG). Möge der Glaube somit nicht nur den einzelnen Menschen helfen, ihre Themen gut zu bewältigen!

Christlicher Glaube ist immer persönlich aber niemals privat – niemals nur mein eigenes Ding, denn Christus wollte etwas mit dieser Welt. Er wollte nicht, dass jeder nur seins macht. Möge der Glaube uns helfen, auch unsere kleine persönliche Welt, lebenswert zu gestalten! Dabei ist es wie in einem vollen Stadion, in dem zwar nur 22 Leute spielen, aber alle 82500 wichtig sind, wie in New York und über den 19. Juli hinaus. Und so freue ich mich trotz allem auf das Turnier. Und vielleicht sehen wir uns ja in der Zeit irgendwo hier vor Ort – mit Schal und Deutschland-Farben auf der Wange.

Ich wünsche allen Fußball-Fans und auch allen anderen schöne Sommertage!

Stefan Thäsler