Liebe Gemeindemitglieder!
Ich mag Tassen. Unsere Küche ziert ein großes Tassenregal und viele unserer Tassen haben eine Geschichte aus unserem Leben. Als neulich eine meiner schönen Tassen herunterfiel, musste ich an die japanische Kunst des »Kintsugi« denken – die Kunst, zerbrochene Keramik zu heilen. Aus zerbrochenen Tassen wird wieder getrunken und heruntergefallene Vasen können wieder Wasser fassen. Wie wunderbar! Es gibt Kintsugi-Repair-Sets zu kaufen, einzelne Scherben werden mit Lack geklebt oder Stellen mit Kittmasse aufgefüllt. Die entstehenden „neuen“ Stücke sind danach von goldfarbenen Adern durchzogen, denn der Kleber ist bewusst so gewählt. Man erkennt, dass die Tasse gelitten hat, aber ebenso, dass sie wieder heil geworden ist; dass Brüche nicht das Ende von Sinn und Schönheit bedeuten müssen. Ich finde diese Idee großartig. Auch zu meinem Leben gehört ja, dass Wertvolles zerbrechen kann und auch das Leben verletzlich ist. Beziehungen und Freundschaften sind es, Vertrauen kann zerbröseln; die Gesundheit angeschlagen sein. Der eigene Glaube ist manchmal nur noch bruchstückhaft da und bisweilen besteht auch das Versprechen, einander zu lieben aus Bruchstücken des Lebens.
Unsere Jahreslosung 2026, das Jesuswort »Siehe, ich mache alles neu« ist ziemlich am Ende der Bibel damals an Menschen gerichtet, die in Krieg und Bedrängnis leben. Es setzt damit ein Zeichen, dass diese Welt nicht so bleiben muss. Am Ende der Tage macht Gott alles neu! Und bis dahin suche ich im Leben mit Christus meinen Weg mit meinen Brüchen und bitte, dass er sie zusammenhält und heilt; und dass ich auch mit den Brüchen Anderer achtsam umgehen lerne. Beides habe ich im Glauben schon immer wieder erleben dürfen. In den Szenen Jesu, die wir in den Gottesdiensten gerade hören, wird es bezeugt: mit goldfarbener Zuneigung kann Gott Neues aus den Scherben machen und Jesus ist sein Weg dazu.
Gesegnete Passions- und Ostertage!
Herzlichst Ihr
Stefan Thäsler